Deine Augen lassen Dinge ihre Farbe verlieren.

Die Band von Niklas und Til spielt den gefühlt zweihundertsten Song an, um mich herum ertönt lautes Lachen und alle scheinen ausgelassen zu tanzen, ich merke, wie sich langsam Unruhe in mir breit macht. Wie in Trance drehe ich mich ein paar Mal im Kreis, das Blut kocht mir viel zu heiß in den Adern und meine Muskeln krampfen sich schmerzhaft zusammen, lähmen mich in unregelmäßigen Abständen. Das grelle Licht brennt mir in den Augen und lässt meinen Atem immer wieder aussetzen, ich greife nach der Dunkelheit, will mich in ihr verkriechen, doch sie entgleitet meinen Fingern immer wieder wie Nebel. Ich fühle mich schrecklich allein in einem Raum vollgestopft mit Menschen, der mir aber trotzdem noch nie so leer vorkam. Ich will einfach nur hier raus, jede Faser in mir schreit mich von Innen heraus an, wegzurennen. Ein Schauder fährt über meinen Rücken, ich drehe mich krampfartig um und renne dir direkt in die Arme. "Alles okay?!", du siehst mich besorgt an und als unsere Blicke sich begegnen breitet sich eine angenehme Sicherheit in mir aus, trotz dass mein Körper in sich zusammen zu brechen droht. Ich nicke nur schwach, muss mich aber ruckartig an dir festkrallen, um nicht umzukippen. "Mir ist so schwindlig." Aber kaum habe ich die Worte ausgesprochen, verschwindet das Gefühl schlagartig wieder. "Setz dich erstmal hin", meinst du und willst mich von der Tanzfläche ziehen, doch ich halte dich mit einem "Nein lass, es geht schon wieder" ab. Du ziehst die Augenbrauen besorgt nach oben, mein Herz macht einen Sprung beim Anblick dieser vertrauten Geste, "Ganz sicher?" Ich nicke und zwinge mir ein Lächeln auf, "Alles in Ordnung. Wer weiß, was das war." "Soll ich dir was zu trinken holen?", du bist schon halb im Gehen, aber ich ziehe dich wieder zu mir zurück. "Nein, bleib hier, geh nicht." Ich will nicht alleine sein. Deine Arme legen sich wieder stützend an meine Hüfte, ich muss zweimal blinzeln, um zu glauben, dass du wirklich hier bist. Bei mir. Und mit mir redest. Ich mache mich vorsichtig los und schaue dich an. "Ich dachte, du hasst mich", sage ich trocken, sehe dir aber trotzdem in die Augen. Du lachst kurz auf, "Mel, bitte." "Ja, ich dachte...", will ich beginnen, doch du schüttelst nur mit dem Kopf. "Ich hab mich benommen wie ein Arsch, aber ich dachte wirklich, dass du was mit diesem Lappen hast." "Dachtest...?" Du nickst und lächelst kurz, "Ich weiß jetzt, dass das nicht stimmt." Du scheinst meine fragende Miene richtig zu deuten, denn du fügst noch "Er hat mit mir gesprochen. Und hat mir alles erklärt. Also dass er sich in dich verliebt hat und dass er dich versucht hatte zu küssen, du aber immer wieder abgeblockt hast. Es tut mir so leid, dass ich dir nicht geglaubt hab" hinzu. Verblüfft und geschockt zugleich sehe ich dich an, muss mich zusammenreißen, dass mir der Mund nicht aufklappt, bringe nur ein leises "Oh" heraus. Wieso sollte Jakob soetwas erzählen? "Verzeihst du mir?", fragst du leise und schenkst mir ein Lächeln, das mit einer deratigen Wucht in mein Herz trifft, dass ich das Gefühl habe, mein Brustkorb würde jeden Moment explodieren. "Ja", sage ich drei Deute zu laut, woraufhin du lachen musst und mit einer Haarsträhne, die sich einen Weg zu meinen Augen gekämpft hat, herumspielst. Dieses Prickeln unter der Haut, wenn du mich berührst, das ist noch nicht weg. Es scheint sogar irgendwie stärker geworden zu sein. Dein Parfüm, das mir so herausfordernd in die Nase schießt, bis in mein Blut übergeht. "Weil ich noch immer etwas fühle, wo nichts mehr sein dürfte", du nimmst meine Hand und legst sie auf deinen Brustkorb, "Hier." Ich spüre deinen Herzschlag unter meinen Fingern. Gleich, gleich halte ich es nicht mehr aus. Eins, zwei. Stark bleiben. "An meinen Gefühlen hat sich, ehrlich gesagt, nichts geändert", sagst du. Drei, vier. Tief durchatmen. "Aber du hast gesagt, dass du mich nicht mehr liebst." Da ist er wieder, dieser Schmerz, den ich fühle, weil ich dir immer wieder weh tue. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und vergrabe meine Finger in deinem Kragen, ziehe deinen Kopf in meine Richtung. "Ich bin 'ne verschissene Lügnerin", flüstere ich und als ich dir wieder in die Augen schaue habe ich das Gefühl, dass sich die Wahrheit noch nie so rein angefühlt hat, wie in diesem Moment. Deine Arme legen sich wieder an meine Hüfte und während du mich weiterhin versuchst zu stützen, obwohl es mir gar nicht mehr schlecht geht, schiele ich dir aus den Augenwinkeln zu. Unsere Blicke treffen sich und als ich dir ausversehen - wie sie oft früher - auf den Fuß trete, grinsen wir uns einvernehmlich an. Vielleicht träume ich ja nur, aber dann will ich bitte nie wieder aufwachen.
                         cuntable:

untitled by Meredith//McDonald on Flickr.

Kommentare:

Paula Krämer hat gesagt…

wow, verdammt gut geschrieben :)

xx
http://wiesolldieweltsein.blogspot.com

läx. hat gesagt…

jajajajajajJAAAAAJAJAJAAAAAAAA
nein ich habe keinen Orgasmus, ich freu mich, sehrsehrsehr! waaaaaaaaahhhhhhh (:

idontcare. hat gesagt…

Oh Mel, wunderschön!
Love♥

läx. hat gesagt…

achwas. ich leb mit der Divise "gar nicht nachdenken" immer noch am besten.
vllt macht ihr es ja besser als wir
ich würde es mir so wünschen. ♥

Lion Hearted Girl hat gesagt…

so wunderbar geschrieben, schon wieder. ich bin ganz berührt!

Paula Krämer hat gesagt…

dankeschön :) <3
ich bin immer noch total berührt :)

xx

idontcare. hat gesagt…

Haha, nein :D Von dir, deinem Blog und diesem wundervollen Text! :) ♥

becca . hat gesagt…

jap, mh. das könnte gut sein. wie können wir schreiben? ich mag nicht hier, wo jeder mitlesen kann. verstehst du?

läx. hat gesagt…

tja, die beziehung mit nils hatte halt was gutes, mir ist einfach alles und jeder komplett egal geworden.
denk sowas nicht. vllt macht ihr es besser. verhindert eure fehler. es ist einfacher

becca . hat gesagt…

allerdings.
magst du mir deine icq nummer geben? ich kann den kommentar dann auch wieder löschen.

Charlene,- hat gesagt…

Ich lese deinen Blog nun schon länger und mit jedem Post von dir wurde mir und bestimmt auch vielen anderen klar das du ein riesiges Talent hast! Deine Posts sind unglaublich gut geschrieben, hör niemals auf damit.♥

http://way-too-young.blogspot.de/

Charlene,- hat gesagt…

nicht dafür und danke :o :))

Romana hat gesagt…

Ich finde keine Worte für dich.

Hühnchen hat gesagt…

Gut zu wissen, das meine Vorstellungen nicht veraltet sind :D Ich hab total gelacht, weil ich eigentlich erst dachte es wäre ein Witz. Er hat gar nix gesagt und sie dann einfach selbst gegessen :D Das Paar ist mir wirklich ein Rätsel :D


Danke, für deine lieben Worte das mit der Behinderung schreib ich glaub im nächsten Post etwas genauer, vielleicht kannst du es dann mehr nachvollziehen. :)

Anonym hat gesagt…

Hey, von dir hört man ja nichts mehr ..

lily zoe hat gesagt…

Richtig toll geschrieben & es freut mich, dass das sozusagen 'geklärt' ist! ♥
Seid ihr denn jetzt wieder zusammen?

N.† hat gesagt…

deine worte fehlen

MIRJAM hat gesagt…

irgendwie habe ich grad keine ruhe diesen text zu lesen obgleich ich weiß dass er wie auch die restlichen wunderschön sein wird. ich wollte dir noch einmal hallo sagen. also
hallo.
okay, das war dumm, was ist nur los mit mir? entschuldige vielmals, ich hoffe es geht dir gut.

Anonym hat gesagt…

und immer wieder bin ich hier und hoffe auf einen neuen text, du schreibst wundervoll <3

Melissa Amélie hat gesagt…

@Anonym: Ich danke dir ♥